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Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2016 18:34

Liebe Forumsgemeinde,

ich lasse hiermit eine gute (und eine weniger gute) Tradition des Sumoforum wieder aufleben: den Adventskalender (hoffentlich gut) und die Tatsache, dass ich damit viel zu spät bin (weniger gut). Ich hoffe, ihr könnt mir meine Verfehlung vergeben, ich bin im Moment beruflich sehr eingespannt und habe meinen eigenen Tee-Adventskalender auch heute zum ersten Mal benutzt.
Die Frage ist also: Wollt ihr diesen Adventskalender als den eurigen annehmen, ihn lesen und betrachten, die frühen wie die verspäteten Postings, die touristischen wie die skurilen bis dass Weihnachten ihn beendet? Dann lest einfach weiter.

PS: Und hier ist jetzt die Karte, für diejenigen, die mitreisen wollen.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2016 18:50

1. Ryûkyûmura

Da ich heute vier Tage aufholen muss, werde ich euch ein Highlight in vier Postings vorstellen, die man entspannt hintereinander weg lesen kann. Ab morgen gibt es dann wieder die bekannte Themenvielfalt.

Heute jedoch sehen wir uns ein Freilichtmuseum auf Okinawa an: Ryûkyûmura. Der Name ist hier Programm:

Ryûkyû ist der alte Name von Okinawa
mura bedeutet "Dorf". Wir sehen uns heute also ein Dorf im Stile des alten Okinawa an.

Am Eingang steht man erst einmal vor einem großen Tor, oder eigentlich kein Tor, weil man nicht hindurchgehen kann.

1a_Eingang.jpg


In dem Kein-Tor sieht man ein riesiges Tau, dessen Sinn sich einem vielleicht nicht direkt erschließt (mir jedenfalls nicht). Geht man näher, sieht man eine Erläuterung: Mit diesem Tau wurde ein Weltrekord im Tauziehen aufgestellt, bestätigt vom Guiness Buch der Rekorde.

1b_Weltrekord.jpg


Jedes Jahr findet dieses Tauziehen während des Naha Festivals im Oktober in der Hauptstadt der Präfektur statt. Dazu kommen bis zu 275.000 Besucher nach Naha. Die Tradition lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Hauptseil ist dabei mit 1,5m Durchmesser natürlich nicht zu greifen, sondern es hat zu den Seiten kleinere Taue, an denen die Teilnehmer ziehen. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, die andere Seite 15 m weit zu ziehen, klappt das nicht, wird nach 30 MInuten die Seite zum Sieger erklärt, die weiter gekommen ist. Danach wird das Tau üblicherweise in Stücke geschnitten und als Glücksbringer mit nach Hause genommen. Oder am Eingang von Ryûkyûmura ausgestellt.

Neben dem Riesentau stehen hier auch noch zwei Riesen-Shisa, die Löwen-Hunde-Fabelwesen, die auf Okinawa traditionell über die Häuser (und Freilichtmuseen) wachen.

1c_großer Shisa.jpg


Und dann können wir wirklich eintreten.

1d_und jetzt rein.jpg
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2016 19:05

2. Freiluftmuseum mit Vorführungscharakter

Wie in vielen Freilichtmuseen gibt es in Ryûkyûmura nicht nur viele Häuser zum Ansehen, sondern auch Sachen, wie man sie früher in diesen Häusern gefunden hat. Das betrifft zum einen die Einrichtung der Wohneinheiten und zum anderen auch die Tätigkeiten, die die Bewohner so ausübten. So kann man Webstühle sehen, mit denen früher die Stoffe gewebt wurden.

2a_Webstühle.jpg


Das ist schon interessant, für viele handwerkliche Tätigkeiten gibt es aber auch Vorführungen, damit man einen Eindruck erhält, wie das Leben früher aussah. Zum Beispiel wird dort auf traditionelle Weise Feuer gemacht...

2b_Feuer machen.jpg


...und gekocht oder eher fritiert. Das sind sogenannte sata andagi (oder genauer: サーターアンダーギー Saataa andaagii), das ist okinawanisch für Zucker (saataa), in Öl (anda) fritiert (agii). Die Teigbälle bestehen im Prinzip aus Zucker, Mehl und Ei und sollen außen knusprig und innen leicht und locker sein.

2c_Kochen.jpg


... und gesungen (ein bisschen Spaß muss ja schließlich auch sein).

2d_Sänger.jpg


Und für den hochmotivierten Touristen gibt es auch Kurse, in denen man sich selbst an ein bisschen Volkskunst versuchen kann. So habe ich versucht, ein Paar shisa (nicht so groß wie am Eingang) zu bemalen, was mir allerdings nur so mittelprächtig gelungen ist (weshalb ich davon auch kein Foto habe).
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2016 19:17

3. Und außerhalb des Hauses

Und was haben die Einwohner von Ryûkyû früher so außerhalb ihrer Häuser getrieben? Landwirtschaft, Wirtschaft, Religion und Feste (vermutlich tatsächlich in diese Reihenfolge).

Auf Okinawa wird seit dem 17. Jahrhundert Zuckerrohr angebaut, da die Inseln so weit südlich liegen, dass sich der Anbau hier auch lohnt. Das Zuckerrohr wurde früher mit Hilfe einer Presse, die von einem Ochsen angetrieben wurde, gepresst, um an den enthaltenen Saft zu kommen.

3a_Zuckerrohr.jpg


Daneben wurden in der Wirtschaft auf den Ryûkyû-Inseln auch beispielsweise Wassermühlen eingesetzt, um frühe Maschinen zu betreiben.

3b_Mühlrad.jpg


Doch da Arbeit bekannt nur das halbe Leben ist, wurde gebetet und gearbeitet. Heute findet man in Ryûkyûmura einen kleinen Schrein mit der obligatorischen Schreinlotterie. Nein, da gibt es nichts zu gewinnen, die kleinen Zettel sagen dem Käufer die Zukunft voraus. Gefällt einem die vorhergesagte Zukunft, nimmt man den Zettel mit nach Hause, gefällt sie hingegen nicht, kann man den Zettel vor Ort an einen Baum oder eine Gerüst anbinden, um das Unglück hinter sich zu lassen. Die Zettel werden dann vom Schrein verbrannt (das gleiche gibt es auch bei buddhistischen Tempeln).

3c_Omikuji.jpg


Und wenn dann immer noch Zeit übrig war, wurde natürlich auch gefeiert. Und das nicht nur mit Riesentauziehen, sondern auch einige Nummern kleiner, zum Beispiel mit Shisa-Kostümen.

3d_Festival.jpg
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2016 19:26

4. Flora und - nein, nur Flora

Da Okinawa im Gegensatz zu den restlichen japanischen Inseln in den Subtropen liegt, ist hier auch die Flora eine andere. Dasselbe gilt auch für die Fauna, von der habe ich hier aber keine Fotos.

Wenn man im Süden von Kyûshû oder Shikoku ist, sieht man schon hin und wieder Palmen. Auf Okinawa sind diese aber noch sehr viel häufiger und so auch in Ryûkyûmura anzutreffen.

4a_Palmen.jpg


Daneben gibt es Wälder, die den unbedarften Mitteleuropäer schon ein bisschen an Urwald erinnern mit dichten Bäumen und großen Farnen...

4b_Farne.jpg


... sowie deren Wurzelwerk, das in Ryûkyûmura dekorativ zu sehen ist.

4c_Wurzelwerk.jpg


Und dazu gehören natürlich auch bunte Blüten (zu denen ich in den kommenden Jahren bestimmt noch mehr berichten werden).

4d_Blüte.jpg


OK, das hier ist natürlich kein Urwald, sondern für das Museum so angelegt, gibt aber einen schönen Eindruck der heimischen Vegetation, die man sonst als Tourist nicht so mitbekommt. Es sei denn, man fährt auf eine der vorgelagerten Inseln (wo ich noch nicht war).

Disclaimer: Ich habe keine Ahnung von Pflanzen, alle Angaben sind daher ohne Gewähr.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon tainosen » 5. Dez 2016 14:01

Ich kam mir gerade vor, wie das ungezogene Kind, dass mehr als nur ein Türchen am Kalender öffnet, weil es seine Neugier und seinen Appetit nicht zügeln kann. Ein schönes Gefühl :lol: :lol: . Danke Anke
Wo Elefanten sich bekämpfen, hat das Gras den Schaden.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2016 21:24

5. Zakimi-jo

Nachdem mich ja nun ein Teil meines treuen Publikums gefunden hat, kann ich ja frohen Mutes weitermachen.

Und wir bleiben noch einen Tag in der Gegend. Denn in einer Entfernung von Ryûkyûmura, die mit dem Bus gut zu erreichen ist, befindet sich ein weiteres Teil des Weltkulturerbes auf Okinawa. Wir hatten schon diverse Burg/-ruinen und legen heute eine weitere drauf, Burgruine, nicht komplette Burg.

Zakimi-jo wurde im 15. Jahrhundert von einem berühmten Ryûkyû-Feldherren namens Gosmaru erbaut. Gosamaru hatte maßgeblichen Einfluss auf die Vereinigung der drei Königreiche, die bis dahin auf der Insel bestanden. Diese hießen der Einfachheit halber Hokuzan (北山; nördlicher Berg), Chūzan (中山; mittlerer Berg) und Nanzan (南山; südlicher Berg) und es verwundert wenig, dass die gesamte Periode als Sanzan jidai (三山時代; Periode der drei Berge) bezeichnet wird.
Gosamaru kam aus dem mittleren Königreich und unterstützte seinen König bei der Eroberung der anderen beiden Königreiche. Zum Dank bekam er erst den Nordteil zur Verwaltung, ging dann nach Zakimi und baute diese Burg und schließlich nach Nakagusuku und baute die dortige Burg. Also ein sehr umtriebiges Kerlchen.

Aber zurück zu Zakimi-jo: Die Burg ist heute nur noch in ihren Grundmauern erhalten und selbst die sind schon teilweise rekonstruiert (nach dem 2. Weltkrieg war hier ein amerikanisches Radar untergebracht, für das ein Teil der Mauern eingerissen werden mussten). Das, was man noch sehen kann, ist aber schon sehr beeindruckend.

5a_Eingang zu Zakimijo.jpg


Der Eingang ist besonders bemerkenswert, weil es der älteste Torbogen mit einem Schlussstein auf Okinawa ist, der so bei den anderen Burgen nicht vorkommt.

Innerhalb der Burgruine darf man auf die unglaublich dicken Mauern steigen und in den Innenhof hinabsehen. Hier kann man das Fundament des alten Wohnhauses sehen und erkennen, wie groß die Burg damals schon war. Auch kann man feststellen, dass die Mauern nicht gerade, sondern geschwungen gebaut wurden, um Feinde fernzuhalten.

5b_Ausblick in Zakimijo.jpg


Und man kann über das Land bis zum Meer sehen, das auch von hier blau leuchtet und einem wieder ins Gedächtnis ruft, dass wir auf einer subtropischen Insel sind.

5c_Ausblick von Zakimijo.jpg


Von ganz oben kann man die Burg zwar direkt nicht sehen, aber natürlich gibt es zumindest das passende Foto, um einen Überblick über Größe und Form der Burg zu erhalten. Und die unterscheiden sich dann doch sehr von traditionellen japanischen Burgen und zeigt die eigentümliche Kultur auf Okinawa.

5d_Ausblick auf Zakimijo.jpg


Und nun können wir einen weitern Punkt auf unserer Liste des Weltkulturerbes auf Okinawa abhaken. Den Rest heben ich mir (soweit ich ihn schon gesehen habe) für nächstes Jahr auf.

5e_WCH Übersicht.jpg
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon gernobono » 6. Dez 2016 07:09

"Die spinnen die Okinesen"

Vielen Dank für diesen Adventkalender. Es ist schön, dass du neben den Standardzielen für Touristen auch solche Exoten parat hast. :applaus
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 6. Dez 2016 21:05

6. Zum Wasser, zur Sonne

Wir verlassen Okinawa nach fünf Tagen (OK, zwei Tagen) und lassen auch die Historie erst einmal hinter uns, um einfach mal ein bisschen durch die Gegend zu laufen. Stellt euch vor, es ist brütend heiß und schwül (schwer zu machen bei den Minusgraden draußen, aber spielt einfach mal mit). Was macht der Mensch dann gerne? Natürlich es zieht ihn zum Wasser.

6a_ans Wasser.jpg


Und dieses Wasser ist in diesem Fall die Inlandsee, die wir von Takamatsu auf Shikoku aus sehen. Da müssen wir gar nicht weit fahren, einfach auf Mohle hinauslaufen und das Wasser genießen. Und wenn man genug davon hat, in der Sonne zu stehen, kann man einfach zur Stadt zurückkehren und die Vorzüge des modernen Japan genießen.

6b_in die Stadt.jpg


Bevor wir zurückgehen, drehen wir uns aber noch einmal um und sehen uns den Leuchtturm an der Spitze an, der mal so gar nicht historisch aussieht. Aber das muss es ja auch einmal geben.

6c_zum Leuchtturm.jpg


Und dann gehen (oder kriechen) wir durch die Sonne zurück und freuen uns, dass wir nicht nur über einen nackten Weg gehen müssen, sondern dass die Stadtplaner auch an ein bisschen Grün am Rande gedacht haben. Das macht es nicht weniger heiß, aber deutlich netter (und so japanisch).

6d_und ins Grüne.jpg


Das einzige, was die Jungs hier auch nicht hinbekommen, ist ordentliches Englisch.

6e_nur nicht zum Englischen.jpg
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Hana-ichi » 6. Dez 2016 23:50

Uiuiuiuiui, was muss ich dieses Jahr brav gewesen sein, dass mich der liebe Anke-Nikolaus wieder beschenkt.

:riesenfreu

Silke
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 7. Dez 2016 21:39

7. Eine Burg, keine Burg, ein bisschen Burg - auf jeden Fall gleich um die Ecke rum

Da ich heute erst spät nach Hause gekommen bin, mache ich es mir einfach und bleibe in der Gegend. Gleich um die Ecke von der Hafenpromenade in Takamatsu findet sich der Tamamo Park und da gehen wir jetzt rein:

7a_am Eingang.jpg


Der Park an sich ist schon interessant: Es ist so eine Art trockener Wassergarten. Das heißt, dass dort Brücken und Flussbetten gestaltet sind, statt Wasser werden die Flüsse jedoch durch Kiesel symbolisiert. Man wandert also durch Flusslandschaften und über Brücken, ohne wirklich auf Wasser zu stoßen.

7b_trochener Steinfluss.jpg


Doch halt, am Ende stößt man doch auf Wasser, einen richtigen Wassergraben. Tamamo Park ist nämlich dort, wo früher die alte Burg von Takamatsu, Takamatsu-jo oder auch Tamamo-jo, stand. Takamatsu-jo ist das erste und größte Beispiel für eine sogenannte umi-jiro, eine Meeresburg, bei der ein Wassergraben (oder auch mehrere) die Burg umschließt, der aus Meerwasser gespeist wird. Als ich da war, sah das Gebäude innerhalb des inneren Wassergrabens allerdings eher wie eine Burg aus, die man zu heiß gewaschen hat.

7c_heute Schrein.jpg


Der große Burgturm existiert nämlich nicht mehr. Stattdessen gab es einen deutlich kleineren Schrein, der auf dem alten Burggelände stand. Es gibt aber Bemühungen, den alten Turm wiederaufzubauen und so musste der kleine Schrein inzwischen weichen.

Es gibt allerdings grundsätzlich noch einen erhaltenen Turm im nördlichen Bereich, den sogenannten 月見櫓 tsukimi-yagura (etwa: Turm zur Betrachtung des Mondes) oder, weniger poetisch, 着見櫓 auch tsukimi-yagura (etwa: Turm zur Betrachtung der Ankommenden). Dieser liegt dem Hafen zugewandt, so dass man nicht nur den Mond, sondern auch ankommende Schiffe von dort gut sehen konnte.

7d_früher Burg.jpg


Und heute kann man den alten Turm gut sehen, um einen kleinen Eindruck von der großen Burg zu bekommen.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Tsubame » 8. Dez 2016 14:55

Auch ein verspäteter Adventskalender ist was feines! :applaus
:riesenfreu
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 8. Dez 2016 21:36

8. Ein Briefkasten ist ein Briefkasten

Heute gibt es mal etwas zum japanischen Leben, nämlich eine kurze Abhandlung über Briefkästen, japanisch ポスト pusuto. OK, vielleicht nicht das spannendste Thema, aber mal sehen, was ich da so raus holen kann.

Briefkästen sind in Japan nicht gelb, sondern rot. Wer also eine Postkarte abschicken möchte, sollte nach einem roten Kasten suchen, der verschieden Formen annehmen kann. Rot sind die normalen Kästen aber so gut wie alle.

8a_ein Briefkasten.jpg


Die größeren Briefkästen haben zwei Schlitze: Einen für normale Briefe und Postkarten (national) und einen für alles andere, also etwa Expresspost oder Briefe und Postkarten (international). Eine Postkarten nach Europa müsste also normalerweise in den rechten Schlitz.

In der Zeit vor Neujahr aber ändert sich diese Bild, die beiden Schlitze bekommen neue Aufgaben: der eine ist nun ausschließlich für Neujahrspost zuständig, der andere für alles andere, also auch normale Briefe und Postkarten (national), die keine Neujahrspost sind. Die Briefe und Postkarten nach Europa kommen also immer noch in den rechten Schlitz. Die nach Japan aber auch.

8b_ein jahreszeitlicher Briefkasten.jpg


Der Hintergrund ist, dass Neujahr in Japan der wichtigste Feiertag des Jahres ist, zu dem man sämtlichen Bekannten, Verwandten, Geschäftspartnern, Freunden und jedem, der einem sonst noch so einfällt, eine Neujahrspostkarte schickt. Diese 年賀状 nengajō kann man natürlich vor Neujahr an jeder Ecke kaufen, mit den entsprechenden Sprüchen und dem buddhistischen Tierkreiszeichen des folgenden Jahres etc. Eine Besonderheit haben die Karten, die die japanische Post verkauft: sie haben einen Gewinncode und im Januar findet dann die Neujahrskarten-Lotterie statt und mit etwas Glück wird die Nummer einer der Karten, die man bekommen hat, gezogen und man kann sich gleich noch über einen kleinen Neujahrsbonus freuen.
Und weil die Japaner so gerne Neujahrskarten verschicken, gibt es eben in der Zeit vor dem Jahreswechsel Briefkästen, die nur für Neujahrspost vorgesehen sind, so, wie es bei uns in Himmelsthür ein Weihnachtspostamt gibt. Und alles, was als "Neujahrspost" deklariert wird, wird dann auch pünktlich am 1.1. ausgeliefert. Dafür stellt die japanische Post jedes Jahr ganze Heerschaaren an Studenten als Aushilfskräfte ein, damit die gesamte Post sortiert und pünktlich zugestellt werden kann.

Briefkästen haben aber nicht nur kurz vor Jahresende so ihre Eigenheiten. Sie eigenen sich auch zum Unterstreichen lokaler Traditionen oder Sagen. Natürlich gibt es Briefkästen, die in historischen Bezirken stehen und ein historisches Aussehen haben (dann sind sie auch nicht zwangsläufig rot), es gibt aber auch moderne Varianten.

So gibt es in Okayama den Momotarô-Briefkasten, auf dem die Figur des Momotarô liegt, der laut japanischem Volksglauben aus einem Pfirsichkern (momo bedeutet Pfirsich) geboren wurde und einen menschenfressenden Dämonen besiegte.

8c_ein besonderer Briefkasten.jpg


Normalerweise wird Momotarô mit einem dango, einer japanischen Süßigkeit dargestellt, aber beim Briefkasten machen sie eine Ausnahme. Hier hat er einen Pinsel, vermutlich um einen Brief zu schreiben.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Schnappamawashi » 9. Dez 2016 12:39

ich bin froh, so viel von Japan zu sehen,
denn ich war da noch nie und werde wohl in diesem Leben
auch nicht mehr hinkommen.
Deshalb bin ich begeistert vom Adventskalender

Gruß
Schnappamawashi
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 9. Dez 2016 20:39

9. Ein Bild von einer Brücke (oder mehrere Bilder)

Mit etwa 3.5 % ist der Ausländeranteil in Iwakuni für eine Stadt mit unter 150.000 Einwohnern für japanische Verhältnisse wirklich hoch. Das liegt aber nicht an den Sehenswürdigkeiten, sondern an der Marine Corps Air Station Iwakuni. Deretwegen sind wir aber nicht hier.

Der zweite Grund für einen Ausländern nach Iwakuni zu fahren, ist eine bekannte Holzbrücke, die 錦帯橋 Kintai-kyō. Diese Brücke hat fünf große Holzbögen, über die man den Nishiki-gawa überschreiten kann.

9a_Kintaikyo.jpg


Die Brücke wurde ursprünglich 1673 gebaut und im folgenden Jahr von einer Flut zerstört, wieder aufgebaut und anschließend alle 20 Jahre (die inneren drei Bögen) respektive 40 Jahre (die äußeren beiden Bögen) erneuert und überlebte so die nächsten 276 Jahre. Für die regelmäßigen Neubauten wurde extra eine Sondersteuer erhoben. Nun bringen uns 276 leider nur bis ins Jahr 1950, in dem die Brücke einem Taifun zum Opfer fiel, nachdem die Japaner sie während des Zweiten Weltkrieges nicht mehr gewartet hatten und das US Militär Steine zum Bau der Landebahn ihrer Air Station aus dem Flussbett genommen hatten, was die Strömung veränderte. Doch die Japaner gaben nicht auf und bauten die Brücke 1953 wieder auf, dieses Mal mit Stahlnägeln, um sie haltbarer zu machen. Und dieses Mal musste sie erst 50 Jahre später wieder erneuert werden und so steht sie heute noch da und wir können hinüber gehen.

9b_über die Kintaikyo.jpg


Die Brücke ist aber nicht nur heute ein beliebtes Motiv. Was heute von Touristen fotografiert wird, war früher Inspiration für japanische Künstler. Und so kann man die traditionelle Kintaikyo mit der aktuellen vergleichen.

9c_ein Bild von einer Brücke.jpg


Sieht ziemlich ähnlich aus, denke ich. Und gibt auch von oben eine schönes Bild ab.

9d_Kintaikyo von oben.jpg
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 10. Dez 2016 21:40

10. Eine Burg muss her

Wir bleiben einen weiteren Tag in Iwakuni und blicken den Berg hinaus. Denn hier thront die Burg von Iwakuni, Iwakuni-jo, über der Stadt, zu der die Kintaikyô führt. Das macht sich natürlich sehr gut für die Fotos der Touristen, die über die Kintaikyô kommen.

10a_Burg über Stadt.jpg


Der Burgturm hat allerdings eine übersichtliche Geschichte. Die Kikkawa, die die Burg von Iwakuni bauten, hatten bei der großen Entscheidungsschlacht 1600 bei Sekigahara auf der falschen Seite gestanden und mussten nach Iwakuni umziehen. Hier bauten sie von 1601 bis 1608 eine neue Burg, mit dem Hauptturm auf dem Berg und den Wohngebäuden im Tal. Um diese gut erreichen zu können, wurde später die Kintaikyô errichtet.
Leider hatten die Kikkawa die Rechung allerdings ohne die bei Sekigahara siegreichen Tokugawa gemacht, die nach ihrem endgültigen Sieg in der Schlacht von Ôsaka 1615 eine neue Direktive verabschiedeten: 一国一城, Ikkoku ichijō, zu deutsche: eine Burg pro Provinz. Und da hat Iwakuni-jo verloren, obwohl es die einzige Burg der Provinz der Kikkawa war, weil der Chef der Môri aus der Nachbarprovinz sich weigerte, seine Wohnburg zu zerstören. Iwakuni-jo musste dann nur 7 Jahre nach Fertigstellung stellvertretend dran glauben, weil die Kikkawa Vasallen der Môri waren. 1638 mussten dann auch noch die restlichen Mauerreste entfernt werden, um sicher zu gehen, dass die Ruine potenziellen Aufständischen nicht als Rückzugsort dienen konnte. Daher kann man heute nur den üblichen Stahlbetonnachbau der Burg sehen, der 1962 gebaut wurde. Der ist aber zumindest sehr gutaussehend und folgt alten Plänen.

10b_schöne Burg.jpg


Und außerdem hat man einen schönen Blick von der Burg ins Tal.

10c_mit schönem Ausblick.jpg


Dieser Blick hat nur einen Schönheitsfehler: Er ist nicht authentisch. Die Burg wurde zwar vom Aussehen her nach alten Plänen wieder aufgebaut, aber nicht am Originalplatz, weil man sie dann nicht so majestätisch über der Ebene hätte sehen können. Die Originalburg stand nämlich 30 m weiter weg vom Rand und ist heute nur noch als Steinfundament erhalten.

10d_aber falscher Platzierung.jpg


Aber so wie sie jetzt steht, macht sie sich eben sehr gut für die Fotos der Touristen, die über die Kintaikyô kommen.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 11. Dez 2016 19:25

11. Im Reich der Schildkröte

Heute machen wir einen Abstecher nach Sado. Wir erinnern uns: Das ist Japans sechstgrößte Insel, die im Japan-Meer vor der Küste der Präfektur Niigata liegt. Und noch sind dort ein paar Sachen übrig.

Heute fahren wir an der Westküste nach Norden und treffen dort auf einen großen Felsen oder Hügel (Berg wäre bei 176 Metern übertrieben), der von der Küste ins Meer ragt. Dieser Felsen hat eine interessante Form, die ihm seinen Namen gegeben hat: Ônogame, die große Feldschildkröte.

11a_die große Schildkröte.jpg


Und der geneigte Tourist kann der Schildkröte auf den Buckel steigen, der Weg wird nach oben hin allerdings immer steiler und weniger befestigt. Deshalb habe ich irgendwann das Handtuch geworfen und mich anderen Dingen zugewendet.

11b_auf den Rücken der Schildkröte.jpg


So ist Ônogame im Mai/Juni mit vielen kleinen, gelben Blüten bewachsen, die als Tobishima kanzo bekannt sind und sogar essbar sein sollen (habe ich zumindest gelesen). Diese Blüten haben sogar ihr eigenes Festival, das Sado Kanzo Festival am zweiten Sonntag im Juni. Und sie sind es durchaus wert.

11c_Blumen auf Schildkröte.jpg


Auch, wenn man nicht ganz nach oben steigt, hat man von Ônogame einen schönen Blick über die Umgebung, die Straße, von der man gekommen ist und die Bucht links von der Schildkröte.

11d_Schildkröte mit Ausblick.jpg


Und nach rechts sehen (und gehen) wir morgen.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 12. Dez 2016 21:19

12. Rechts der Schildkröte sind zwei...

Wie versprochen drehen wir uns nun um und blicken von der großen Schildkröte nach rechts. Und dort sehen wir zwei weitere Felsen, die vor der Küste im Meer liegen.

12a_zwei Felsen.jpg


Und woran erinnern uns diese zwei Felsen? Natürlich an zwei Schildkröten, die im Meer baden. Und so heißt diese Kombination dann auch: 二ツ亀 Futatsugame - zwei Schildkröten. OK, die Namensgebung könnte kreativer sein, aber so ganz lässt sich der Eindruck nicht von der Hand weisen.

12b_gleich zwei Schildkröten.jpg


Futatsugame ist nicht bekannt für seine Blumen, man kann auch nicht so einfach hinaufsteigen und nur bei Ebbe kann man über einen Sandstreifen nach Futatsugame hinüberlaufen. Dafür gibt es gegenüber am Ufer einen Strand, der zu den 100 schönsten Badestränden Japans zählt, und das Wasser ist das klarste in und um Sado.

12c_von oben.jpg


Und ja, es gibt nicht wirklich viele Badestrände in Japan, ein Großteil der Küste ist felsig, steinig oder gleich eine Steilküste. Das gilt auch für einen großen Teil der Küste von Sado, selbst direkt neben Futatsugame ist die Küste von Felsen geprägt und lädt nicht unbedingt zum Baden ein.

12d_und von unten.jpg


Aber will schon baden, wenn er so eine Aussicht genießen kann. Schließlich dienen die diversen Schildkröten nicht nur als Aussichtspunkte, sondern auch als Ansehpunkt - äh, Sehenswürdigkeiten.
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 13. Dez 2016 21:09

13. Alles muss versteckt sein

Wir fahren weiter und landen in Tsuruoka. Hier waren wir schon einmal kurz in der Yokozuna Kashiwado Memorial Hall, dieses Mal wird es aber wieder sumofern. Mehr als einen legendären Yokozuna hat Tsuruoka dann doch nicht zu bieten.

Aber zumindest kommen wir gerade richtig. Die ganze Stadt ist auf den Beinen und die Leute haben sich herausgeputzt. Das kann nur eines bedeuten: matsuri (ein japanisches Festival), in diesem Fall das Tsuruoka Tenjin Matsuri, das am 25.5. stattfindet.

13a_viel los hier.jpg


Da stellt sich nur die Frage: Warum sind die Leute alle vermummt? Im Mai ist es dann doch nicht so kalt, auch im Nordosten des Landes nicht. Nein, die Vermummung hat mit dem Festival zu tun: Traditionell schenken vermummte Einwohner während des Festivals sake an die Besucher aus (heute gibt es auch Softdrinks). Das Ziel ist es, den Tag durchzustehen, ohne erkannt zu werden. Schafft man das drei Jahre in Folge, bedeutet das Glück zu haben für den Rest des Lebens. Ursprünglich geht das auf eine alte Geschichte zurück: Angeblich vermummten sich die Einwohner von Kyôto, als der Gelehrte und Politiker Sugawara no Michizane ins Exil geschickt wurde, um ihn zu verabschieden, weil sie das offiziell nicht durften. Und wieso in Tsuruoka? Der Schrein, von dem das Festival ausgeht, ist der Tsuruoka Tenmangu und die Tenmangu gehen traditionell auf Sugawara no Michizane zurück.
Manche gehen das Vermummen aber heute weniger traditionell an:

13b_man kann es auch so machen.jpg


Und am Nachmittag des Festivals gibt es einen großen Festumzug, bei dem das Vermummungsgebot aber für die wenigsten Teilnehmer gilt. Einige tragen aber schon traditionelle Masken.

13c_oder so.jpg


Schreinpriester, Mini-Schreinträger, Tänzer, Musiker und Riesen-ema-Schieber hingegen sind nicht vermummt.

13d_nicht immer versteckt.jpg


Und wer will nicht eine riesige bemalte Holztafel durch die Sraßen schieben. Schließlich bringen die 絵馬 ema (zu Deutsch: Pferdebild) auch Glück.
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Watashi
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Re: Ein gnadenlos verspäteter Adventskalender

Beitragvon Watashi » 14. Dez 2016 21:21

14. Schreinfest am Schrein

Gestern haben wir einen ersten Eindruck vom Tenjin matsuri in Tsuruoka bekommen. Das ganze hat natürlich einen ausgeprägten Volksfestcharakter, aber wie die meisten matsuri ist es im Grunde ein Schreinfest, das ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist. Und der Schrein im symbolischen Mittelpunkt (geografisch liegt er eher am Rande) ist der Tsuruoka Tenmangu (das wurde gestern auch schon kurz angesprochen). Und anders als es das große Fest vielleicht erwarten lässt, ist der Schrein gar nicht so riesig.

14a_Tsuruoka tenmangu.jpg


Auch die ema, die Bildtafeln, mit denen man sich etwas wünscht, sind hier deutlich kleiner als gestern. Dafür sind sie aber auch zahlreicher.

14b_mit ema.jpg


Doch auch am Tsuruoka Tenmangu gibt es während des Tsuruoka Tenjin Matsuri einiges zu sehen. So führt ein Tänzer in traditioneller Kleidung einen traditionellen Tanz auf. Und natürlich ist er dabei gut maskiert. Diese Tänze sind meistens nicht so mitreißend, aber aufgrund des Ambiente trotzdem sehr beeindruckend.

14c_Tänzer mit Maske.jpg


Nach dem einzelnen Tänzer gibt es dann noch einen weiteren Tanz: den Tanz eines Löwenhundes (japanisch: 狛犬koma-inu), der normalerweise in Stein gemeißelt den Eingang oder das Innere von Schreinen bewacht. Wer genau hinsieht, kann auf dem ersten Foto auf der rechten Seite einen solchen Wächter erkennen.
Dieser "erwacht" zum Schreinfest zum Leben und tanzt vor den Zuschauern.

14d_Löwentanz.jpg


Danach schlüpfen die beiden Darsteller, die in dem Löwenhund gesteckt haben, aus ihrem Kostüm und jetzt können sich die Zuschauer von dem Kopf der Figur "beißen" lassen (das wurde tatsächlich so angesagt). Das heißt, dass man den Kopf in das Maul des Kostüms steckt und der Darsteller das Maul ein wenig schließt.

14e_Löwenbeißen.jpg


Und natürlich habt ihr erraten, warum man so etwas machen sollte: Es bringt Glück. Ich hatte trotzdem keine Lust, dafür eine halbe Stunde anzustehen (Schande auf mein Haupt, oder eher Unglück auf mein Haupt).
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